Redebeitrag der Gruppe Unistreik-International
Auf dem Schul- und Unistreik am 24. April in Berlin

Im Sommer 2006 begannen Studierende in Griechenland damit ihre Universitäten zu besetzen. Ihre Dozenten und Fakultäten halfen ihnen dabei.
Auch SchülerInnen und LehrerInnen fingen einige Wochen später an die öffentlichen Schulen zu bestreiken. Die Gewerkschaften und Elternvertretungen unterstützen sie.
Jeden Donnerstag gibt es große Massendemonstrationen in vielen Städten des Landes. Diese werden regelmäßig von der Polizei angegriffen. Doch was ist der Hintergrund dieser Bildungs-Revolte?
Der breite Protest im Bildungssektor war nötig geworden, da die rechts-konservative Regierung in Griechenland eine umfassende Bildungsreform verabschieden wollte. Diese Reform umfasst unter anderem die Privatisierung der Universitäten und die Reduzierung der Studierendenzahlen.

Griechenland passt damit den Bildungssektor an den europäischen Markt an. Die EU hat beschlossen, dass die europäischen Hochschulen nicht nur vergleichbar sein müssten, sondern auch in Konkurrenz zueinander treten sollen. Das Ziel ist die Schaffung von Eliteuniversitäten an denen reiche Studierende auf ein Leben in der Upperclass vorbereitet werden, während alle anderen sich ein Studium entweder nicht leisten können oder in schlecht ausgestatteten Unis so schnell wie möglich ihren Abschluss machen müssen. Dass ein Abschluss an einer Eliteuni mehr wert ist als an einer öffentlichen Uni dürfte klar sein.
Die Konsequenz dieser europäischen Bildungspolitik ist die Verschlechterung der Bildung für die Massen und die Verbesserung für Wenige, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft ohnehin schon bevorteilt sind.

In Griechenland wurden am 8. März 2007 diese Änderungen vom Parlament beschlossen. Vor dem Gebäude demonstrierten 30.000 dagegen. Wie immer griff die Polizei an. Wie immer wurden massenweise DemonstrantInnen verhaftet. Und dennoch lässt sich die Protestbewegung nicht aufhalten und polarisiert die ganze griechische Gesellschaft.

Der Staat antwortet auf die Massenproteste mit Repression, mit Gewalt, mit Verhaftungen und Prozessen. Opfer dieser Schikanen sind meist Leute, die zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Sie werden in die Knäste gesteckt und mit mehrjährigen Haftstrafen bedroht. Auch der Berliner Timo, der als Urlauber sich an den Bildungsprotesten in Thessaloniki beteiligt hat, wurde eingesperrt und sitzt seit zwei Monaten in griechischer Haft

Auch hier kennen wir diese Strategie des Staates mit Protest umzugehen. Beim letzten Schulstreik in Berlin im September 2006 wurden auch viele SchülerInnen zusammengeschlagen und verhaftet. Gegen vier SchülerInnen wurden sogar Haftbefehle verhängt. Vor kurzem war der Prozess, der mit sehr geringen Strafen zu Ende ging.
Das Ziel dieser Strategie ist Leute aktiv von Demonstrationen fern zu halten und ihnen Angst zu machen. Ihnen zu sagen: Wenn ihr protestiert dann bekommt ihr eins mit dem Knüppel und wir stecken euch in den Knast.

Der staatlichen Repression müssen wir unsere Solidarität entgegen halten. Uns geht es alle an wenn SchülerInnen hier verhaftet werden. Uns geht es auch was an, wenn Protestierer in Griechenland inhaftiert werden. Betroofen sind nur wenige, aber gemeint sind wir alle!

Die Bildungsreform wird überall in Europa umgesetzt und erfordert deshalb eine gemeinsame Antwort der europäischen Studierenden und SchülerInnen.

Deshalb: Solidarität mit den griechischen Bildungsprotesten! Freiheit für die Inhaftierten.
Neues zu den Protesten in Griechenland im Internet unter unistreik.does.it