| 26.06.2006 Junge Welt Hochschulreform in Griechenland: Massive Proteste gegen
geplante Verfassungsänderung Auch die Lehrmittelfreiheit hat das Gesetz im Visier. In Zukunft soll nur noch ein Skript pro Vorlesungsreihe kostenlos zur Verfügung stehen. Mensen und Studierendenwohnheime will man in Zukunft privaten Betreibern öffnen. Professoren und Studierende fordern dagegen seit Jahren die Aufstockung der Mittel für die chronisch unterfinanzierten Universitäten. Erklärtes weiterreichendes Ziel der Regierung ist
die Abschaffung des in der Verfassung festgeschriebenen staatlichen
Bildungsmonopols. In Zusammenarbeit mit der sozialdemokratischen
PASOK soll dazu Artikel 16 der Verfassung geändert werden, um die
EU-weit forcierte Gleichstellung von Abschlüssen privater Institute
mit staatlichen Hochschuldiplomen zu ermöglichen. Gegen die ebenfalls in der Gesetzesvorlage vorgesehene Aufweichung des Hochschulasyls laufen nicht nur die Studierenden Sturm. Auch der Rektor einer Hochschule, aus der heraus sich immer wieder Anarchisten mit Polizisten stundenlange Schlachten mit Molotow-Brandsätzen, Steinen und Tränengas liefern, verteidigt das Hochschulasyl als unabdingbar für studentischen Widerstand. Andreas Andreopoulos, Leiter der berühmten Athener Universität Polytechneion, wandte sich öffentlich scharf gegen Pläne, die Polizei ohne Zustimmung der Studierenden auf den Campus zu lassen. Die Universität wurde am 17. November 1973 während der griechischen Militärjunta (1967–1974) Schauplatz eines blutigen Massakers, als die Panzer der Diktatur einen Aufstand von Studierenden niederwalzten. Voraussichtlich einmal noch wird es im Juni eine Großdemonstration der Studierenden geben. Am 27. und 28. Juni tagt in Athen der Rat der Bildungsminister der OECD-Staaten. An diesen Tagen wollen die Streikenden ein weiteres Mal lautstark ihre Forderung nach allgemeiner und kostenfreier staatlicher Bildung für alle erheben. |