Kundgebung gegen die Repression in Griechenland.
Freiheit für alle Gefangenen der Bildungsproteste!
Freiheit für den Berliner Timo!
Wann: Mittwoch, 20. Juni, 16 Uhr
Wo: Griechische Botschaft, Jägerstraße 55 (Mitte, nahe U-Bhf.
Hausvogteiplatz)
Am 8. März 2007 verabschiedete das griechische Parlament
eine Hochschulreform, die sozial unverträglich ist, die Herausbildung
von Eliten befördert und Studi-Streiks schon im Keim erstickt.
Geplant war außerdem die Abschaffung des Verfassungsartikels 16,
der die staatliche Bereitstellung von kostenloser Bildung in Griechenland
vorschreibt. Hintergrund sind die EU-Vereinbarungen von Bologna, in
denen schon 1999 die Privatisierung der Bildung und marktförmige
Anpassung an ökonomische Kriterien, beschlossen wurde.
Gegen diese massive Umstrukturierung der griechischen
Hochschulbildung formierte sich schon im Sommer 2006 eine breite Protestbewegung
aus SchülerInnen, Studierenden, Lehrenden, Gewerkschaften und Elternverbänden.
Die andauernden Streiks und Massendemonstrationen nötigten die
Regierung zu Zugeständnissen. Die Verfassungsänderung konnte
gekippt werden, die Hochschulreform kam, mit geringfügigen Änderungen,
zustande. Doch die Proteste gehen weiter und der Staat dreht an der
Repressionsspirale.
Viele Studierende und SympathisantInnen wurden bei den
Demonstrationen in den letzten Monaten verletzt oder verhaftet. Die
griechische Regierung rächt sich für den Bildungsstreik mit
polizeilicher Gewalt und hohen Strafmaßen. Die Verhafteten verbleiben
meist sinnlos lang unter miserablen Bedingungen in Untersuchungshaft.
Ein fairer Prozess wird ihnen meist verweigert.
Wir nehmen das persönlich! Gegen unseren Freund und
Mitstreiter Timo aus Berlin wurde ebenfalls mit konstruierten Vorwürfen
am 20. Februar 2007 die Untersuchungshaft angeordnet. Er half bei einem
studentisch organisierten Konzert an der besetzten Aristoteles Universität
in Thessaloniki und sitzt seit dem im Knast. Nach griechischen Gesetzen,
kann die Untersuchungshaft bis zu 18 Monate ausgedehnt werden.
Am 14. Juni sollte ein Gericht die Haftgründe gegen
Timo noch einmal prüfen. So oder so, wir fordern seine sofortige
Freilassung und einen fairen Prozess und erklären uns solidarisch
mit allen anderen Gefangenen, die der Willkür der griechischen
Justiz derzeit ausgesetzt sind.
Für eine Gesellschaft ohne Knäste!
Schluss mit der Repression gegen den griechischen Bildungsstreik!
Schluss mit den EU-weiten Reformen, die uns keine bessere Bildung sondern
nur bessere Verwertbarkeit bescheren!
http://unistreik.does.it
Flyer
[PDF] und Plakat
[PDF]
-------------------------- Redebeiträge --------------------------
Liebe PassantInnen und MitarbeiterInnen
der Botschaften,
Warum sind heute so viele seltsame Leute vor der griechischen Botschaft?
Wir sind heute hier, um uns mit dem Bildungsstreik in
Griechenland zu solidarisieren.
Mit all jenen, die dort für das Recht auf freie und kostenlose
Bildung seit letztem Sommer massenhaft demonstrieren.
Wir fühlen uns verbunden mit all jenen, die ihre
Hochschulen besetzen, um sie gegen die neoliberalen Reformvorhaben der
Regierung zu schützen.
Wir sind heute hier, weil wir es nicht mehr mit ansehen
wollen, wie Studierende, GewerkschaftlerInnen, Eltern und SchülerInnen
für ihren legitimen Protest routinemäßig von der griechischen
Polizei verprügelt werden.
Wir demonstrieren weil unser Freund und Mitstreiter Timo,
seit dem 20. Februar in griechischer Untersuchungshaft sitzt, weil er
sich an den Studierendenprotesten beteiligte.
Wir fordern die sofortige Einstellung der staatlichen
Repression gegen die Bildungsstreiks und die Freilassung sämtlicher
Inhaftierter, die derzeit wegen der Proteste in Untersuchungshaft sitzen.
Wir sind heute hier, um zu zeigen, dass wir diese Forderungen
ernst meinen und uns die Verhältnisse in Griechenland nicht kalt
lassen.
Wir fordern den griechischen Botschafter in Deutschland
auf, sich unserem Protest mit anzuschließen.
Wir haben ein paar Fragen an die RepräsentantInnen
Griechenland hier in der Botschaft in der Jägerstrasse. Bei ihnen
handelt es sich um Vertreter derer, die in Griechenland Recht sprechen.
Botschafter Tritaris ,
wir haben uns von fachkundiger Seite erklären lassen,
dass die zu erfüllenden Voraussetzungen für die Anordnung
von Untersuchungshaft in ihrem Land strenger sind als die unseren hier.
Das griechische Strafrecht sieht allein die Schwere der Tat nicht als
hinreichenden Grund an, Untersuchungshaft anzuordnen. Ihre Rechtsprechung
fordert darüber hinaus Tatsachen, die eine Wiederholungsgefahr
konkret belegen.
Seit dem 20.02.2007 - seit also nunmehr 4 ganzen Monaten - sitzt unser
Freund T. in griechischer Untersuchungshaft.
Wir fragen: Warum reicht in seinem Fall ein nicht näher begründeter
Verdacht auf Wiederholungsgefahr aus, um Timo festzuhalten?
Warum ist in Timos Fall allein die Schwere des Tatverdachts Grund genug,
um ihn zu inhaftieren?
Warum spielen Tatsachen, die ihn entlasten, keine Rolle?
Und warum darf Timo während der Festnahme misshandelt werden?
Wir fordern eine öffentliche Antwort darauf, Herr Tritaris, warum
für Timo das griechische Strafrecht keine Gültigkeit hat!
Wie wollen sie rechtfertigen, dass in einem vermeintlichen Rechtsstaat,
die Gesetze keine Anwendung finden, wenn es einigen so beliebt?
Wir fordern die Rechte unseren Freundes Timo ein –
jetzt und sofort! Diese sehen eine Freilassung vor!
Wir fordern die Freilassung von Timo!
Wer ist eigentlich dieser
Timo und wieso ist er in griechischer Haft?
Timo ist ein 31 Jähriger Berliner, der seinen Urlaub
im schönen Thessaloniki in Griechenland verbrachte. Am Abend des
20. Februar half er spontan bei einem studentisch organisierten Konzert
an der seit Monaten besetzten Aristoteles Universität.
Am Rande dieses Konzerts kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei,
die jede Ansammlung von Studierenden gleich kriminalisieren will und
mit Repression bedeckt. So schoss die Polizei auch sogleich Gas-Granaten
auf das Unigelände. Timo stolperte ins Freie und wurde sofort von
Polizisten zu Boden geworfen und verprügelt. Darauf wurde er ohne
zu wissen, was eigentlich los war, in eine Zelle gesperrt. Da kein Dolmetscher
aufzutreiben war, wurde ihm erst viel später mitgeteilt, dass er
wegen Besitz und Verwendung von Explosivstoffen verhaftet wurde.
Am 23. Februar wurde gegen ihn vor einem Bezirksgericht die Untersuchungshaft
wegen Wiederholungsgefahr verhängt. Beweise spielten keine Rolle.
Lediglich zwei Polizisten sagen aus, dass sie ihn vor der Festnahme
beim Werfen von Brandflaschen gesehen hätten. Er selbst bestreitet
sämtliche Vorwürfe und es gibt Zeugen sowie Indizien, die
ihn entlasten. Doch die politische Situation in Griechenland fordert
von der Justiz Taten – Timo ist nur einer, der darunter leidet.
Seine ersten drei Monate, also bis Mitte Mai, sitzt Timo
in Komotini, nahe der türkischen Grenze. Er muss sich mit etwa
20 Inhaftierten eine Zelle teilen. Die Verständigung ist schwierig,
aber er bemüht sich griechisch zu lernen. Seine Eltern kommen ihn
zu Ostern besuchen und dürfen ihn nur durch eine Trennscheibe sehen.
Der Besuch von Freunden wird ihm verweigert. Auch bei der Post gibt
es Schwierigkeiten und er bekommt vieles nicht.
Ende April rebellieren die Häftlinge in dem Gefängnis Malandrino,
weil ein Mitgefangener von den Wärtern offensichtlich gefoltert
wurde. Der Knast gilt Tage lang als besetzt. In elf weiteren Haftanstalten
gibt es Solidaritäts-Streiks. Eine Verbesserung der Haftsituation
wird gefordert. Auch in Komotini, wo Timo zu dieser Zeit sitzt werden
Verbesserungen gefordert. Die Anstaltsleitung reagiert mit einigen Zugeständnissen,
zwei Wochen später wird Timo, wie viele andere auch, in ein anderes
Gefängnis verlegt.
Seit dem 11. Mai ist Timo im Gefängnis Jevata bei Thessaloniki
und muss sich wieder neu an die Mithäftlinge, die Gewohnheiten
und Hierarchien anpassen. Die Haftbedingungen sind in Thessaloniki schlechter
als in Komotini. Seine privaten Dinge wurden beschlagnahmt, Briefe bekommt
er nur selten und auch das Telefonieren, dass in Komotini noch preisgünstig
möglich war, ist in Jevata mit enormen Ausgaben verbunden. Durch
das Engagement des deutschen Generalkonsuls in Thessaloniki bekam er
wenigstens vier seiner Bücher nachträglich ausgehändigt.
Es ist offensichtlich: Er soll für den Prozess mürbe gemacht
werden.
Doch wann soll dieser Prozess endlich stattfinden? Seit
vier Monaten nun befindet sich Timo in griechischer Untersuchungshaft.
In dieser Woche noch soll ein Bezirksgericht erneut über eine Verlängerung
der Untersuchungshaft entscheiden. Die polizeilichen Ermittlungen sind
schon längst abgeschlossen und auch unsere Geduld ist am Ende.
Wir werden nicht hinnehmen wie Timo weiterhin schikaniert
und endlos in Untersuchungshaft gehalten wird.
Deshalb sind wir heute hier und werden so lang wieder
kommen, bis er endlich freigelassen wird und der Prozess gegen ihn mit
einem Freispruch endet.
Studi-Revolte in Griechenland.
Was steckt dahinter und was kümmert uns das?
Am 20. Februar diesen Jahres wurde der Berliner Timo B.
im griechischen Thessaloniki am Rande eines studentischen Konzertes
inhaftiert. Das Konzert fand im Rahmen von studentischen Protesten gegen
Reformierung des Bildungssystems statt. Zwei Polizeikräfte wollen
Timo beobachtet haben wie er Straftaten beging. Nun sitzt er seit nunmehr
4 Monaten in Griechenland in Untersuchungshaft.
Aber was bildet nun den Hintergrund der Bildungsproteste in Griechenland?
Im Juni 2006 wurde bekannt, dass die konservative Regierungspartei zusammen
mit der sozialdemokratischen Oppositionspartei PASOK den Verfassungsartikel
16 abschaffen und ein neues Hochschulrahmengesetz verabschieden will.
Der Artikel 16 schreibt vor, dass die Ausbildung Universitäten
in öffentlicher Hand liegen und kostenlos sein muss. Dies verhindert
die Annerkennung von Privatunis als Bildungseinrichtungen und macht
deren Abschlüsse, zumindest in Griechenland, wertlos.
Durch Änderung der Verfassung wurde das staatliche Bildungsmonopol
abgeschafft. Die Folgen dieser Verfassungsänderung werden einige
Studenten in Zukunft hart treffen – nämlich die, die sich
ein Studium in Zukunft nicht mehr leisten können.
Wie es zu der sogenannten „Reform“ kam...
Der Ausverkauf der Bildung
Die griechische Regierung will mit der Abschaffung dieses Aktikels der
im Bologna / Lissabon Prozess im Jahr 2000 geplanten EU-weiten Angleichung
der Bildungsabschlüsse und Anpassung der Bildung an die Erfordernisse
der Wirtschaft, gerecht werden. Die KritikerInnen befürchten den
Statusverlust der unterfinanzierten staatlichen Hochschulen bzw. deren
Abschlüsse, wenn sie mit hochdotierten Privatunis konkurrieren
müssen. Jedem Unternehmen stünde es dann frei, sich durch
Einmischung in die Lehre maßgeschneiderte Arbeitskräfte zu
erziehen, während allgemein ausgebildete AkademikerInnen in den
Niedriglohnsektor abgeschoben würden.
Die Verfassungsänderung soll auch ein neues Hochschulgesetz
in Griechenland voranbringen, dessen Inhalte eine klare Sprache sprechen:
Senkung der Studierendenzahlen, Schließung von „unrentablen“
Fakultäten, Befriedung von Bildungsstreiks.
Die Änderungen im Detail: 1. Die Studienzeit wird auf die zweifache
Regelstudienzeit begrenzt – danach folgt die Zwangsexmatrikulation.
Da es in Griechenland kein BAFöG gibt, wird diese Frist sozialschwache
daran hindern zu studieren, da sie nebenbei arbeiten müssen und
daher länger brauchen. 2. Die Lehrmittelfreiheit wird abgeschafft
– Literatur und Seminarbedarf ist selbst zu finanzieren. 3. Verbot
der doppelten Prüfungsperiode. Falls Studierende an Prüfungen
aufgrund von Streiks nicht teilnehmen konnten, bestand bisher die Möglichkeit
die Prüfungen im nächsten Semester nachzuholen. 4. Das absolute
Hochlschulasyl wird abgeschafft. Dieses ist eine griechische Besonderheit,
das es der Polizei erst gestattet das Unigelände zu betreten, wenn
ein Gremium aus HochschulleiterIn, ProfessorInnen und Studierenden einstimmig
das Ok gibt.
Die Neuregelungen sind also mehr als umfassend – sie stellen also
eine komplette Änderung dar.
Die Protestbewegung
Gegen die Verfassungsänderung und das neue Hochschulgesetz gingen
seit Juni 2006 wöchentlich landesweit Zehntausende Studierende
und HochschullehrerInnen auf die Straße, besetzten 90% aller Fakultäten
und lieferten sich regelmäßig Straßenschlachten mit
der Polizei. Organisiert werden die Besetzungen und Großdemonstrationen
von den jeweiligen Studierendenparlamenten und Vollversammlungen. Überregional
hat sich die „Initiative für den Artikel 16“ gegründet,
die alle beteiligten Organisationen miteinander vernetzt.
Als es in die „Endrunde“ vor dem Beschluss der Verfassungsänderung
ging, begannen die Proteste Anfang des Jahres erneut. Es kam es flächendeckend
zu Besetzungen und Massendemonstrationen.
Der Druck auf die sozialdemokratische Partei PASOK, der Verfassungsänderung
nicht zuzustimmen, wuchs, da der eigene Jugendverband der Parteiführung
mit Konsequenzen drohte. Durch das Nein der PASOK zur Abschaffung des
Artikel 16 am 8. März, kam die nötige 2/3 Mehrheit im Parlament
nicht zustande.
Das neue Hochschulrahmengesetz mit den oben beschriebenen weitreichenden
Folgen, wurde dennoch von der Regierung im Alleingang am 8. März
verabschiedet, da hierfür nur die absolute Mehrheit von Nöten
war. In den Debattenpausen konnten die Abgeordneten die Tumulte vor
dem Parlamentsgebäude beobachten, die auch international für
Aufmerksamkeit sorgten.
Linke Abgeordnete und der Verband der HochullehrerInnen POSDEP wiesen
nach der Verabschiedung des Hochschulgesetzes darauf hin, dass dieses
in der Praxis an den Hochschulen und durch massenhafte Verweigerung
niemals in Kraft treten würde und letztlich wieder zurückgenommen
werden müsse. Der Bildungsprotest geht also weiter. Ermöglicht
wird dies auch durch die Weigerung der Professorengewerkschaft mit der
Polizei zusammenzuarbeiten und Gebiete auf den Campus zu benennen, wo
sie eingreifen darf – das Hochschulasyl bleibt also trotz anderslautender
Gesetze bestehen.
Ende April wurde von den meisten Streikenden entschieden, weiter zu
studieren, Prüfungen nachzuholen und neue Kraft zu tanken. Die
wöchentlichen Demonstrationen, immer Donnerstags, gehen allerdings
weiter.
Die Bewegungen im Bildungssystems in Griechenland sind
aber nicht als singuläres Problem zu sehen. Sie stehen im Kontext
der Vereinbarung von Bologna und Lissabon. Die Anpassung der Bildung
an wirtschaftliche Interessen wurde dort europaweit beschlossen. Die
Bindung an die umzusetzenden Vereinbarungen trifft Deutschland ebenso.
Die Bildungsproteste, die sich in Griechenland erhoben, wurden damit
also auch stellvertretend für die Rechte aller Studierender in
Europa geführt.
Dem in Griechenland inhaftierten Timo sollte umso mehr unsere ungeteilte
Solidarität zukommen. Diese Solidarität können unsere
Genossen in Griechenland gut gebrauchen. Die Kriminalisierung der Bildungsproteste
dort geht so weit, dass die Justiz dort eine Verschleppungstaktik im
Rechtswegverfahren ausübt. Dies trifft auch den inhaftierten Timo.
Dieser sitzt seit nunmehr 4 Monaten in Untersuchungshaft. 4 Monate sind
genug!
Achtet auf weitere und werdet selbst aktiv! Beteiligungsmöglichkeiten
und neueste Informationen unter: http://unistreik.does.it
-------------------------- Erklärungen --------------------------
Das
Mitglied im Vorstand Evrim Baba (Mitglied im Abgeordnetenhaus von Berlin)
erklärt: 20.06.2007 Berliner rechtswidrig in griechischer Untersuchungshaft
Es ist rechtswidrig, dass der Berliner Timo nur auf Grundlage
der fragwürdigen Aussagen zweier Polizisten immer noch in griechischer
Untersuchungshaft ist. Die eigentliche Strafe soll offenbar noch vor
einem Strafverfahren mittels der dünn begründeten Untersuchungshaft
vollstreckt werden.
Gemeinsam mit 70 anderen unbekannten Personen soll Timo
Mülltonnen der Stadt Thessaloniki in Brand gesetzt und anschließend
an Auseinandersetzungen vor der Aristoteles-Universität Thessaloniki
beteiligt und auf die Internationale Messe von Thessaloniki verschiedene
Gegenstände wie Molotowcocktails u.a. geworfen haben. Bei seiner
Festnahme sind aber keinerlei Anzeichen gefunden worden, dass er an
den von der Polizei provozierten Auseinandersetzungen beteiligt war.
Timo half bei einem studentisch organisierten Konzert
an der besetzten Aristoteles Universität in Thessaloniki. Dieses
Konzert fand im Rahmen der Proteste gegen die massive Umstrukturierung
der griechischen Hochschulbildung statt. Ähnlich der Situation
in der Bundesrepublik sollen auch in den anderen EU-Ländern Bildungsinhalte
immer stärker durch die Frage der kapitalistischen Verwertbarkeit
bestimmt werden. Die sich europaweit formierenden Proteste gegen den
Sozial- und Bildungsabbau werden zunehmend kriminalisiert.
Ich unterstütze das Anliegen der heute stattfindenden Soli-Kundgebung
vor der griechischen Botschaft und fordere den deutschen Botschafter
in Griechenland und den deutschen Konsul in Thessaloniki auf, sich umgehend
für die Einhaltung der Prinzipien eines europäischen Strafverfahrens
und sich aufgrund der mehr als dürftigen Beweislage für die
Freilassung von Timo aus der Untersuchungshaft einzusetzen.
Presseerklärung
der beiden Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen und Nele Hirsch: Berliner
muss aus griechischer Untersuchungshaft entlassen werden!
„Die Tatsache, dass Timo noch vier Monate nach den
Vorfällen in Untersuchungshaft sitzt, ist rechtsstaatswidrig und
mit den Prinzipien eines europäischen Strafverfahrens nicht zu
vereinbaren“, so Dagdelen. „Er ist unbestraft und seine
Eltern sind bereit, eine Kaution zu zahlen. Es besteht keine Gefahr,
dass er sich dem Verfahren in Griechenland nicht stellt.“
Timo half bei einem studentisch organisierten Konzert
an der besetzten Aristoteles Universität in Thessaloniki. Dieses
Konzert fand im Rahmen der Proteste gegen die massive Umstrukturierung
der griechischen Hochschulbildung statt. Die griechische Regierung will
die Lehrmittelfreiheit an Universitäten abschaffen, Studiengebühren
einführen, eine zeitliche Befristung des Studiums festgelegen und
das Asyl auf dem Unigelände abschaffen. „Bildungsinhalte
sollen nur noch an ihrer unmittelbaren Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt
gemessen werden", kritisiert Nele Hirsch. "Diese Politik steht
im Einklang mit der Lissabon-Strategie der EU und bildungspolitischen
Vorstößen in vielen europäischen Ländern. Auch
in Deutschland kämpfen die Studierenden gegen die Einführung
von Studiengebühren und für ein selbstbestimmtes Studium.
Die griechischen Studierenden streiten deshalb auch für die Rechte
der Studierenden in der Bundesrepublik."
Timo wird lediglich von zwei Polizisten belastet. Bei
seiner Festnahme sind aber keinerlei Anzeichen gefunden worden, dass
er an militanten Auseinandersetzungen beteiligt war. Dagdelen: „Das
erinnert mich schon an die Kriminalisierung von Antifaschistinnen und
Antifaschisten in der Bundesrepublik, die eine mögliche Strafe
schon vor einem Strafverfahren absitzen müssen, nur weil klar ist,
dass der Tatvorwurf nicht haltbar ist.“
Die Solidaritätskundgebung findet um 16.00 Uhr vor
der griechischen Botschaft in Berlin (Jägerstraße 55) statt.